„Wer denkt, Abenteuer seien gefährlich,
der sollte es mal mit Routine versuchen:
die ist tödlich.
Paulo Coelho
„Wer denkt, Abenteuer seien gefährlich,
der sollte es mal mit Routine versuchen:
die ist tödlich.
Paulo Coelho
Wir lesen ein Gedicht von Wilhelm Busch. Nebenbei wedle ich immer mal mit Max und Moritz aus dem Bücherregal vor den Augen der Kinder, ich bilde mir ein: auffällig. Als keinerlei Reaktionen erfolgen, frage ich direkter, ob denn jemand Wilhelm Busch kenne. Der neue Schüler meldet sich als einziger: „War der nicht neulich da?“
Ich war die einzige im Raum, die lachen musste.
Die Kinder sind inzwischen sehr unruhig, es kichert und kichert, einige kriegen sich gar nicht wieder ein, obwohl ich ständig ermahne. Da meldet sich eine Schülerin, das erste Mal überhaupt: „Ihr Hosenstall ist offen!“
Den Rest der Stunde reden wir über Höflichkeit und gutes Benehmen. Ich soll nicht lachen und meinen Hosenstall geschlossen halten.
„Die ganze Welt ist eine große Geschichte,
und wir spielen darin mit“
Michael Ende
Pamps. So nennen wir Zusammengerührtes, mit Nudeln oder Reis. Das gab es im Urlaub immer dann, wenn wir tagelang nicht einkaufen konnten oder wollten, denn dazu benutze ich alles, was noch im Kühlschrank ist und Konserven. Und ich brauche nur einen Topf, was viele Vorteile hat. Der Gasherd hat sowieso nur zwei Flammen, und es passt nur eine Pfanne und ein kleinerer Topf gleichzeitig darauf. Da wir aber oft den ganzen Tag unterwegs waren ( oder sogar mehrere Tage), hatte ich auch einiges vorbereitet. Es lebe der Schnellkochtopf! So eine Hühnersuppe schmeckt ja bekanntlich am zweiten Tag am besten, auch Gulasch ist dann schön durchgezogen. Manchmal gab es auch nur Snacks, oder besser gesagt, Tapas. Oder Eierkuchen. Schnitzelbrötchen. Kartoffelsalat und Würstchen. Sardinen auf dem Grill. Fischfilets aus der Pfanne. Bratkartoffeln mit Spiegelei. Rührei. Und, stets beliebt: Quark mit Gelumpe, wie die Sachsen sagen (Cremiger Quark mit geschmortem Obst). Salat natürlich. Auch Leberwurstbrötchen. Natürlich waren wir auch in verschiedenen Restaurants, in Frankreich, in Spanien und in Portugal. Abgenommen haben wir jedoch nicht.
„Die Fähigkeit, da Wort nein auszusprechen,
ist der erste Schritt zur Freiheit.“
Nicolas Chamfort
Unser Segelsommer dauerte 5 Wochen und zwei Tage. 21 Tage davon sind wir gesegelt, die andere Zeit haben wir in Häfen verbracht, repariert und regeneriert, Schiff gepflegt, Ausflüge gemacht. Drei Seekarten hintereinander, drei Länder (Frankreich, Spanien, Portugal), drei Seegebiete (Biskaya, Fitzroy, Trafalgar), unzählige Kaps (Pont de Penmarch, Cabo Ortegal, Finisterre, Cabo de Roca, Cabo de Sao Vincente). Vor dem Start in Brest wurde der Motor repariert, in Murcia mussten wir uns neue Batterien besorgen, in Lagos wurde am letzten Tag der Kühlkreislauf repariert. Die zwei Nebeltage waren sehr anstrengend, ansonsten hatten wir ideale Bedingungen. Es gab keine hohen Wellen, der Wind kam meist achterlich, die einzigen Manöver waren Halsen. Nur am letzen Segeltag haben wir 4 mal gewendet. Selten waren 20 kn Wind oder mehr, oft sind wir 6 kn gesegelt, manchmal mehr als 7kn, die höchste Geschwindigkeit von 8,6 kn versetzte uns in Erstaunen. Nur einmal war mir übel, dafür aber den ganzen Tag, den ersten der Biskaya- Überquerung. Fast jeden Tag haben wir Delfine gesehen, oft haben sie uns begleitet. Auch Wale haben wir gesehen, bzw. ihren Blas und Rücken. Es hat nicht geregnet, nur einmal genieselt, in der Nacht, während wir schliefen. Ein weiters Logbuch ist voll, im Herbst fangen wir ein neues an.
Meilenübersicht: gesamt: 1034,9 sm
Es gab immer wieder Stunden, in denen ich allein auf Deck stand (oder saß) und Ausschau hielt. Nach anderen Booten, Fischern, Hindernissen, Delfinen, Sternen, Satelitten, Sternschnuppen, Wellen, Segeln, Wasser, Lichtern, Seezeichen. Wache eben. Singen ist eine Möglichkeit, sich dabei wach zu halten, oder auch ein bisschen Gymnastik, wie 100 mal das rechte Bein heben, dann das andere. Auf einmal passiert etwas Aufregendes, eine Möwe fliegt vorbei. Schon singe ich: „In der Luft, da fliegt ein Geier, hella, hella hejo, von unten sieht man nur die Füße, hella hella hejo“ Ihr wisst schon, da gibt es noch viele Strophen, mit einer Lampenschale zum Beispiel. Zu dieser Melodie fallen mir dann viele weitere Textzeilen ein, immer wieder, wenn irgendetwas ist. Wenn jemand fragt, wie denn das Segeln so war, könnte ich diese Strophen singen:
Voller Vergnügen las ich die Marc-Uwe Klings „Känguru-Apokryphen“. Ich bin mir sicher, dass ich es öfter zur Hand nehmen werde und auch weitere Unterstreichungen hinzukommen. Man liest ja immer situationsbezogen, nicht wahr? Die folgenden Textstellen sind mir im Urlaub ins Auge gesprungen, auf der Biskaya. (Drei Tage lang war die Erde eine Scheibe, bestand nur aus Wasser und Himmel.) Ich hoffe, dass mir diese Sätze an passender Stelle auch wieder einfallen. Die zitierte Sätze sind aus dem Zusammenhang gerissen.
„Ich rate, lieber mehr zu können als man macht,
als mehr zu machen, als man kann.“
Bertolt Brecht
Seit dreißig Minuten segeln wir, unsere Sorge, es nach so langer Zeit nicht mehr zu können, fliegt mit dem schönen Wind davon. Wir wollen eigentlich nicht weit, den Weg nach Camaret sur Mer kennen wir auch schon. Diesmal haben wir auch die Gezeit mit uns und der Strom ist nicht stark. Ideale Bedingungen. Wir lassen ein anderes Boot hinter uns, das Boot, das uns kürzlich überholt hat, dreht plötzlich um. Ein Hubschrauber dreht seine Runden, über Funk wird viel französisch gesprochen. Der Skipper ist unter Deck und reagiert nicht auf meine Aufforderung, mal zu gucken, der Hubschrauber fliegt ganz dicht über das andere Boot, in Masthöhe. „Guck mal“ – „Sei ruhig!“ – „Der Hubschrauber!“ – „Ich funke!“- „Der greift uns jetzt an!“ Schnell müssen wir den Kurs ändern. Da kommt noch ein Schnellboot mit bewaffneten Uniformträgern auf uns zu und bedeutet uns, noch weiter an den Rand der Bucht zu fahren. Als wir nahe der Felsen sind, drehen sie zufrieden wieder ab. Wir mussten alle Platz machen für das eine Boot, dass wir weit entfernt sahen und uns wunderte, wie seltsam es aussah. Aber wir sind ja auch noch nie einem fahrenden U-Boot begegnet. An Deck standen mehrere Matrosen stramm, kurz über der Wasserlinie. Zu hören waren nur die Begleitfahrzeuge. Irgendwie unheimlich. Um uns vom Schrecken zu erholen, fuhren wir noch stundenlang weiter, um Raz du Seine, 40 sm sind es geworden. Leider hatten wir zwei Stunden lang Wind gegen Strom und Waschmaschinenwellen, Schleudergang. Und um die Ecke endlich rum, blies auch ordentlicher Wind (Windanzeige ging nicht, so hatte ich keine Gelegenheit, mich ängstlich verkrampft festzuhalten.) Bei über 7 kn Fahrt wunderte sich sicherlich auch unser Schiff, was es alles so kann. Wir erreichten einen für uns neuen Hafen, eigentlich nur eine Mauer, dahinter Bojen zum Festmachen. Die waren allerdings so eng und niedrig, dass ich sie zwar auf dem Bauch liegend schnappend, aber nicht halten konnte. Der Skipper half mit dem Bootshaken, der prompt zerbarst. Erst als endlich der Hafenmeisterjunge im Motorboot half, konnten wir festmachen. Und den Abend genießen. Der Anleger war verdient!