Vorfahrt

Seit dreißig Minuten segeln wir, unsere Sorge, es nach so langer Zeit nicht mehr zu können, fliegt mit dem schönen Wind davon. Wir wollen eigentlich nicht weit, den Weg nach Camaret sur Mer kennen wir auch schon. Diesmal haben wir auch die Gezeit mit uns und der Strom ist nicht stark. Ideale Bedingungen. Wir lassen ein anderes Boot hinter uns, das Boot, das uns kürzlich überholt hat, dreht plötzlich um. Ein Hubschrauber dreht seine Runden, über Funk wird viel französisch gesprochen. Der Skipper ist unter Deck und reagiert nicht auf meine Aufforderung, mal zu gucken, der Hubschrauber fliegt ganz dicht über das andere Boot, in Masthöhe. „Guck mal“ – „Sei ruhig!“ – „Der Hubschrauber!“ – „Ich funke!“- „Der greift uns jetzt an!“ Schnell müssen wir den Kurs ändern. Da kommt noch ein Schnellboot mit bewaffneten Uniformträgern auf uns zu und bedeutet uns, noch weiter an den Rand der Bucht zu fahren. Als wir nahe der Felsen sind, drehen sie zufrieden wieder ab. Wir mussten alle Platz machen für das eine Boot, dass wir weit entfernt sahen und uns wunderte, wie seltsam es aussah. Aber wir sind ja auch noch nie einem fahrenden U-Boot begegnet. An Deck standen mehrere Matrosen stramm, kurz über der Wasserlinie. Zu hören waren nur die Begleitfahrzeuge. Irgendwie unheimlich. Um uns vom Schrecken zu erholen, fuhren wir noch stundenlang weiter, um Raz du Seine, 40 sm sind es geworden. Leider hatten wir zwei Stunden lang Wind gegen Strom und Waschmaschinenwellen, Schleudergang. Und um die Ecke endlich rum, blies auch ordentlicher Wind (Windanzeige ging nicht, so hatte ich keine Gelegenheit, mich ängstlich verkrampft festzuhalten.) Bei über 7 kn Fahrt wunderte sich sicherlich auch unser Schiff, was es alles so kann. Wir erreichten einen für uns neuen Hafen, eigentlich nur eine Mauer, dahinter Bojen zum Festmachen. Die waren allerdings so eng und niedrig, dass ich sie zwar auf dem Bauch liegend schnappend, aber nicht halten konnte. Der Skipper half mit dem Bootshaken, der prompt zerbarst. Erst als endlich der Hafenmeisterjunge im Motorboot half, konnten wir festmachen. Und den Abend genießen. Der Anleger war verdient!

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