Warum in meinen alten Unterlagen ausgerechnet eine ostfriesische Mutter an ihren Sohn schreibt, habe ich vergessen, ebenso die Quelle, aus der ich den Text abgeschrieben habe. (Und eigentlich kannte ich nur Otto als Friesenjung). Na, ich schreibe hier mal diesen Text aus alten Zeiten genau so ab, wie ihn damals in Schönschrift, nach den alten Rechtschreibregeln:
Mein lieber Sohn! vom 1.9.1982 – 10.11.1982
Ich schreibe diesen Brief ganz langsam, weil ich weiß, daß Du nicht schnell lesen kannst. Wenn Du das nächste Mal nach Hause kommst, wirst Du unsere Wohnung nicht wiedererkennen. Wir sind umgezogen in eine Wohnung mit Waschmaschine. Neulich tat ich 14 Hemden hinein. Dann zog ich an der Kette. Die Hemden sind bis heute nicht wieder auffindbar.
Vater hat nun endlich eine neue Arbeit gefunden. Er hat jetzt 5000 Leute unter sich. Er muß den Rasen auf dem Bezirksfriedhof mähen.
Onkel Karl hat sich den Penis abgeschnitten. Beim Kauf eines Rasiermessers stand in der Gebrauchsanweisung: Wenn stumpf, dann an einem Riemen abziehen.
Deine Schwester Karin hat ein Baby bekommen. Da wir noch nicht wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, wissen wir auch noch nicht, ob Du Onkel oder Tante geworden bist.
Vor 14 Tagen ist bei uns ein großes Unglück geschehen: 11 Männer sind beim Anschieben eines U-Bootes ertrunken.
Letzte Woche sind wir alle gegen Erdbeben geimpft worden.
Es grüßt Dich Deine Mutter
P.S. Ich wollte Dir noch Geld mitschicken, hatte aber den Umschlag schon zugeklebt!
































