to loose my mind and find my soul.“
John Muir
„Beifall lässt sich, wie Gegenliebe, nur wünschen. nicht erzwingen.“
Johann Wolfgang von Goethe
„Es wird immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.“
Hermann Hesse
Wenn einer eine Reise tut, dann kann man ihn durch Schilder belehren. Beeindrucken. Leiten. Verleiten, zum Wundern, Lächeln, Aufmerksamer werden. Oder Kichern. Hier eine kurze Diashow der Schilder, die dieses Jahr getroffen habe:
Immer mal wieder versuche ich meine Sechstklässler mit Rätselfragen zum Denken anzuregen.
Ich zeige auf den Stapel der Arbeiten, deren Rückgabe die Kinder erwarten, mit der anderen Hand zeige ich an die Tafel, dort hängen die Belehrungsthemen und sage geheimnisvoll: „Heute beschäftigen wir uns mit den zwei B’s. Welchen?“ Ich habe kaum ausgesprochen, weiß Konstantin schon Bescheid: „Badewanne!“ Ich schreibe die Badewanne an die Tafel, schüttle dabei den Kopf und wiederhole meine Frage. Die introvertierte Luisa meldet sich, ich freue mich sichtlich darüber und höre dann: „Bonbon!“ Auch das Bonbon kommt an die Tafel, ich kann dabei noch nicht mal mehr den Kopf schütteln. Alle Kinder sind jetzt völlig ratlos. Ich enge meine Frage ein: „Was müsst ihr denn machen, wenn ihr eure Arbeit wiederbekommt?“ – „Berichtigung“ – „Ja, genau. Und was müssen wir am Monatsanfang von diesem Zettel an der Tafel besprechen?“ – „Belehrung!“ – Ja, genau. Und was sind nun die zwei B’s, mit denen wir uns heute beschäftigen?“ “ – „Biber!“
Schon Anfang Oktober fuhren wir im schönsten Freitagnachmittagsverkehr nach Berlin, am Abend wollten wir zu Peter Maffay, ein OpenAir auf der Waldbühne. Endlich, endlich, ein Konzert! Ach, war das schön! Die Musiker genossen es sichtlich, uns 4000 Zuschauern (von 60 000, die normalerweise hineinpassen) hielt es von Anfang an nicht auf den Sitzen, es ging voll ab (oder wie man das nennt). Zum Glück war gutes Wetter, es hat also nicht geregnet. Mit mehreren Schichten und einer Mütze kam man gut durch den Abend. Alkohol gab es nicht zu kaufen, Glühwein wäre super gewesen. Ein diszipliniertes Konzert, alle tanzten und sangen von ihren personalisierten Plätzen aus. (Die anderen beiden Maffay – Konzerte, die wir erlebten, als noch niemand etwas von dieser Pandemie erahnen konnte, waren natürlich anders.)
Unser Hotel war nicht weit, eine SBahn-Station von der Waldbühne entfernt, in Stresow, im Spiegelturm. Hier war alles okay, abgesehen davon, dass es kein Frühstück gab und auch das Restaurant geschlossen war. Die Umgebung war reines Industriegebiet, etwas heruntergekommen und zum Feiertag nicht zu empfehlen. Aber Spandau war gut erreichbar, dort frühstückten und flanierten wir ein wenig und fuhren schon wieder nach Hause, da sich einer von uns beiden doch ein wenig erkältet hatte.
Spandau selbst ist übersichtlich, besonders, wenn die Geschäfte geschlossen sind. An der Schleuse war einiges los, große Frachter und auch etliche große Motorboote fuhren die Havel entlang. Hier kann man schön spazieren gehen, auch die Zitadelle ist nicht weit. Zum Gauklerfest kam man nur mit online-Anmeldung, also nichts für uns. Die Mischung aus Stadt und Landschaft mit Fluss und überhaupt viel Wasser gefällt uns sehr gut, wenn man will , ist man nach kurzer Fahrt auch mitten in Berlin.
„Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.“
Mark Twain
Sonntag, doch noch schönes Wetter und ein bisschen Bewegung schadet ja nicht. Also fuhren wir dorthin, wo wir dieses Jahr angefangen haben und stempelten an der Stelle, die wir damals nicht auf dem Plan hatten. Die Holzdampflok wurde von vielen Eltern und Großeltern, die ihre kleinen Kinder ausführten, besetzt. Die zünftig gekleideten Wandersleute, die neben uns auf dem Parkplatz standen, haben die 600 Meter auch geschafft, die zwei Hundchen hatten ziemlich kurze Beine. Wir fuhren zwei, drei Dörfer weiter, der ausgewiesene Parkplatz Sägemühle war voll, doch am Wegesrand fanden wir noch eine Lücke. Auch hier viele kleinere Kinder, die jeden Kastanienfund laut kundtaten. Auch oben auf der Ebersburg viele Familien, aber auch Wandersleute wir wir. Alle Kastanien waren weggesucht, bei einem Windstoß gab es neue. Von dort oben konnte man auch wunderbar in die Landschaft schauen. Wir picknickten, gingen den steileren Weg zurück zum Auto und fuhren zwei, drei Dörfer weiter. Ein paar hundert Meter bergauf, wieder herrliche Ausblicke und tolle Wolkenformationen. Alles sah wie frisch gewaschen aus. An den Glockensteinen saute ich mich mit dem dortigen Stempel ordentlich ein. Und schon fuhren wir wieder nach Hause. Über Mittag waren wir unterwegs, etwa drei Stunden, drei Stempel, einige Autokilometer und wieder Gegenden, in denen wir noch nie waren. Schöner Sonntag.
Schon im letzten Schuljahr gestalteten die Fünf- und Sechstklässler einen Farbverlauf von hell zu dunkel: blau, gelb, rot mit weiß aufgehellt und mit braun oder schwarz getrübt. Die langen Papierstreifen konnten virusbedingt lange trocknen, in den Sommerferien staubten sie regelrecht ein. Doch nun konnten wir sie zum Leben erwecken. Mit weißen Stiften entstanden Umrisse von Federn (alle Schüler nutzten meine Papp-Vorlagen, leider wollte keiner selbst eine Feder entwerfen) und innerhalb sollten Muster gezeichnet werden. Erst dann konnte die Feder ausgeschnitten werden. Als der ganze Stapel Papier sich zu Federn verwandelt hatte, klebte ich alle auf zwei große Plakate. Gedacht war ja die Flügelform, doch nirgends im Schulhaus gibt es eine ausreichend große Fläche, nur Fenster und Schränke und auf den Fluren müssen die Schüler ja mehr oder weniger einzeln laufen. Also hängte ich die Federn im Musikraum auf, da war etwas Platz. Die Schüler staunen, was aus ihren Federn geworden ist und zeigen sich gegenseitig die ihren. Auf zum nächsten Projekt!