Ach, was habe ich nur aufgeschrieben…

Endlich musste der gute Kunstlederkoffer, den ich schon in der 10. Klasse auf Reisen rumschleppte, dran glauben. Das heißt, zunächst der Inhalt: Hefter aus Schulzeiten und aus dem Studium, die ich aus einem nicht mehr nachvollziehbarem Grund lagerte, auf dem Boden . Er ist also im Laufe der Jahre 2 Mal mit umgezogen. Ich entschied nun, dass ich meinen Hefter Literaturdidaktik nicht mehr brauche. Ebenso wenig wie die Geschichtswissenschaft die Geschichte der KPDSU und die Literatur der DDR. Ein Koffer voll! Erst wollte ich aus nostalgischen Gründen ein wenig aufheben. Aber ich kann jetzt ja kaum ertragen, was ich als Studentin in tiefer DDR – Zeit aufgeschrieben habe! „Nie war der Frieden si bedroht wie heute“ scheint ein Leitspruch gewesen zu sein. (Heutige Leitsprüche: Nie waren die Spritpreise so hoch, nie war der Sommer heißer, nie das Mittelmeer wärmer, nie die Schüler dümmer…) Jedenfalls habe ich 1987 notiert: „antiimperialistische Volksrevolution für Frieden und demokratische Rätemacht!“ Novemberrevolution reichte wohl nicht. Oder was mit „antibolschewistische Liga“ gemeint war, füllte zwei handgeschriebene Seiten. Erstaunlich viele Blätter waren Mitschriften meiner Kommilitonen. Mitschriften funktionierten so: In der Vorlesung schrieb man normalerweise mit und man legte ein „Blaupapier“ unter und ein leere Blatt darunter und wie aus Zauberhand konnte man den Schwänzenden eine blaue (manchmal schwarze) Mitschrift reichen. Wenn man ordentlich aufdrückte, konnte man sogar zweimal pausen! Verrückt!

Na, jedenfalls habe ich alles in die Papiertonne geschmissen. Es ist so verwunderlich, dass ich das so viele Jahre behalten habe!

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