Schon letzte Woche kündigte ich meiner Klasse ein Experiment an: Einen Schultag ohne Handy verbringen! Das „Handyverbot“ unserer Schulordnung besagt zwar, dass sie im gesamten Schulgelände und während der gesamten Zeit in der Schule das Handy nicht benutzen dürfen, doch finden sie immer Wege, es doch zu tun. Heute nun brachte ich eine Box mit, legte theatralisch als erstes mein Handy hinein und hielt die Box dann einfach vor mich hin, aufmunternd nickend. Die Schüler:innen kamen anstandslos nach vorn und bald war die Kiste voll. Deckel drauf, in den Schrank damit und den Schlüssel in meine Hosentasche. Nach der letzten Stunde konnten sie ihre Geräte wieder abholen. Das ganze hat zwei Minuten gedauert und wir konnten pünktlich mit dem Unterricht beginnen.
So weit so gut. In der zweiten Pause kam die erste Schülerin und bat um ihr Handy, sie brauche es für Mathe, um die Aufgaben zu übersetzen. Das sah ich ein, denn sie versteht wirklich schlecht Deutsch, also bekam sie es. Einer kam jede Pause, erst wollte er seine Oma anrufen, da er sein Frühstück vergessen habe und beim nächsten Mal, weil sie in der nächsten Stunde recherchieren sollten und die IPads würden nicht reichen. Ich bedauerte. Kaum war die letzte Stunde zu Ende, standen sie vor der Tür und warteten ungeduldig, dass die Sechser endlich eingepackt hatten. Schwupps, war die Kiste leer!
Jetzt bin ich ganz neugierig, was sie morgen bei der Auswertung des Mini-Experimentes zu sagen haben!