Wenn Autofahrer mal Bahnfahren…

…nervt oder erstaunt alles. Die „Pünktlichkeit“ , Bequemlichkeit und die Innentemperatur registriere ich nur am Rande als selbstverständlich. Es ist wunderbar, wenn man auf dem letzten Drücker zum Bahnhof hetzt und den Zug wider Erwarten doch noch erwischt. Sitzplätze ergattert. Sich über die Frischluftzufuhr bei jeder Türöffnung freut. Aber….. Wenn doch nur nicht so seltsame Leute mitfahren würden! Direkt hinter mir: „Q!R!K!L!M!E! (dazwischen jedesmal ein Pling!) – Mama, was heißt das? Und das? Lies mal vor!“   Nach einer halben Stunde Buchstabierens kamen die Zahlen dran. Von eins bis zehn. Kann ich jetzt auch.

Gegenüber sitzt eine junge Frau mit langen Haaren, runder Brille und intellektuellem Gesichtsausdruck. Sie liest den Spiegel. Und greift sich dabei in den Nacken, kramt da ein bisschen rum und fächert dann mit ihren Fingern genüsslich ihre Haare auseinander. Ohne den Blick zu heben (ich versuche sie unwillig anzustarren) . Dem Nervenzusammenbruch nahe konzentriere ich mich aufs Atmen und blicke aus dem Fenster. Es spiegelt! Kein Entkommen. Was bin ich erleichtert, als sie sich in Erfurt schnell einen Zopf flicht und behende aus dem Zug springt.

Jetzt kommt eine Großfamilie vom Weihnachtsmarkt in unseren Wagen, die Männer setzen sich wohlweislich einige Plätze entfernt von ihren schnatternden Frauen. Die haben sich ein Weihnachtsquiz gekauft. Das wird jetzt ausgepackt und lautstark die Fragen vorgelesen. A, B oder C? Jeder gibt seine Meinung, Vermutung oder Unwissen kund. Ich versuche, in meinem Sitz zu versinken. Kein Entkommen. Ich nehme mir fest vor: Das nächste Mal – Musik auf die Ohren! Obwohl…. da wären mir die tollen Lautsprecherdurchsagen entgangen.

„Im Namen der Deutschen Bahn begrüße ich alle zugestiegenen Reisenden. Wir fahren nach Leinefelde über Weimar, Erfurt, Gotha, Mühlhausen und Silberhausen. Unser Zug hat leider einige Minuten Verspätung wegen hohen Verkehrsaufkommen. “ …. „… weil wir auf Anschlussreisende warteten“ …..“In Kürze erreichen wir Erfurt. Im Namen der Deutschen Bahn verabschiede ich mich von allen Reisenden, die hier aussteigen. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Fahrt und wünsche Íhnen einen guten Abend. Ausstieg auf der linken Seite in Fahrtrichtung!“ …..

Der Schaffner Zugbegleiter (?) war wirklich ganz erstaunlich. Auf der Hinfahrt kam er schon kurz nachdem wir Platz genommen hatten: „Na, wer hat denn hier eine Fahrkarte und zeigt sie mir mal!?“ Für jeden Fahrgast hatte er ein paar Worte und kommentierte auch die Fahrscheine: „Na, das ist ja sehr schön!“ Auf der Rückfahrt kam er erst nach einer ganzen Weile: „Ich komme spät, doch ich komme!“… „Will denn jemand bis nach Nordhausen? Nein? Ich würde dann Bescheid sagen!“

Wir waren fast die einzigen, die bis zur Endstation mitfuhren. In der Einfahrt zum Leinefelder Bahnhof hörten wir die letzte Durchsage:

Feierabend! Das Tagwerk ist vollbracht!“

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2 Antworten zu Wenn Autofahrer mal Bahnfahren…

  1. Uli S. schreibt:

    Auf meiner fast täglichen Bahnstrecke hab ich auch die tollsten Schaffner! Am Dienstag gab es auch Schoki zum Nikolaus! ;p

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  2. Dejan schreibt:

    Super.Habe ein paar tolle Denkanstoesse gekriegt.

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