Herzlichen Glückwunsch, Herr Loest!

Erich Loest hat heute Geburtstag, den 85. ! Da werde ich wohl mal aufnehmen (lassen), was der mdr heute Nacht (ab 23.55 Uhr) als Porträt über ihn bringt. Wer kann schon um diese Zeit fernsehen!?

Die Redewendung „Es geht seinen Gang“ ist meiner Meinung nach fast verschwunden. Haben wir früher (als auch noch mehr Lamettta war) viel öfter gehört oder gesagt. Und ich weiß noch, wann, wo und wie ich dieses damals eigentlich unerwünschte Buch von ihm gelesen habe. Erstes Studienjahr, unter dem Pult zwischen den Vorlesungen, ausgeliehen aus der Abbe-Bücherei. Da habe ich es im Regal gefunden, ohne es zu suchen, geschweige denn etwas darüber oder über Erich Loest zu wissen. Und es war so ganz anders als all das, was ich bisher an „DDR-Literatur“ gelesen habe. Hat mich beeindruckt. Zum Nachdenken gebracht. Der Waschlappen in dem Buch. Der nicht vorankommt. Aber jeder Satz kam mir bekannt vor (nicht abgeschrieben!). Ich habe völlig verstanden, worum es ging, da es das ganz normale Leben war. So war es. Vor ein paar Jahren, als „Nikolaikirche“ so einen Erfolg hatte, habe ich mir auch „Es geht seinen Gang“endlich gekauft – und nochmal gelesen. Mit Abstand ist es seltsam. Nicht nur, dass Zeit dazwischen liegt, nein, diese „Welt“, in der wir gelebt haben, ist ja völlig verschwunden. Aber man erinnert sich… und es regt jetzt richtig auf, wie man gelebt hat! Auch wenn man natürlich nie selbst so ein Weichei war. Wir haben ja immer gesagt, was wir dachten……. Oder doch nicht? Was habe ich eigenlich damals gedacht, als ich zum Beispiel den Satz „Nie war der Frieden so bedroht wie heute“ zum tausendsten Mal gehört, gelesen oder geschrieben habe? Er findet sich sogar in meiner Diplomarbeit! (Psychologie) In meinen Hospitations-Protokollen. In der Erdkunde-Arbeit! Und sicher auch in vielen anderen „Dokumenten“. Nur in Büttenreden tauchte er nicht auf. Gab es die eigentlich? Ich erinnere mich an keine. Über Politik wurde nicht gelacht. Und die schönen politischen Witze sind auch verschwunden, oder sie sind nicht mehr witzig. Schon, weil man sie nicht mehr heimlich weitererzählt. Nun werde ich den Roman nochmal lesen, schon, um nur nicht zu vergessen, wie alles war….

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1 Response to Herzlichen Glückwunsch, Herr Loest!

  1. Na prima, … Schon wieder diese Neugier … Gerade beim Lesen des Artikels ist sie wach geworden, hat mich gepackt und zwingt mich nun, dieses Buch von dem Loest zu kaufen.

    Sauber hingekriegt … ;o)

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