Berlin hyperventiliert

Vorbereitungen

Vorbereitungen

Bereits am Samstag war rings um das Brandenburger Tor riesige Geschäftigkeit. Es war kaum ein Durchkommen, so viele Menschen wollten sich die Domino-Mauer ansehen. Keine Möglichkeit, wirklich nahe dranzukommen, an einzelnen Stellen konnte man ganz gut fotografieren, was dann auch hunderte taten. Auf keinen Fall möchte ich heute dort sein, Bon Jovi hin oder her. Durch die ganze Politiker-Prominenz wird es unmöglich sein, sich einigermaßen frei zu bewegen zum Fest der Freiheit. Alles ist abgesperrt. Unter den Linden gibt es einen langen, aber schmalen Streifen, die besten Plätze sind von den Fernsehsendern und ihrem Equipment belegt. Tribüne für die Prominenz. Bühnen für die Politiker und Künstler. Brandenburger Tor: geschlossen. Abgesperrt. Andere Seite, „Westen“: alles abgesperrt. Tribünen. Fernsehsender. Bühnen. Kein Durchkommen. Tiergarten: abgesperrt. 10 Klohäuschen in Reihe. Straße bis zur Siegessäule voller Menschenmassen.

entlang der Dominogalerie

entlang der Dominogalerie

Ich frage mich wirklich, ob das ganze riesige Brimborium der Tatsachen vor 20 Jahren gerecht wird. Diese Selbstbeweihräucherung.  Alle haben schon damals gewusst, dass die Mauer fallen wird. Allein dieses Wort regt mich schon auf. Mauerfall. Wann soll das denn gewesen sein? Am 9. November 1989? Jeder von uns kann sich erinnern, wann und wie er das erste Mal „im Westen“ war, und vor allem, was man damals gefühlt hat. Dieses große Erstaunen. Nicht-Fassen-Können. Nicht-Begreifen-Können. Auf jeden Fall war es kein „ofizielles“ Fest, von oben angeordnet, durchorganisiert und geablaufplant! Eigentlich war es das genaue Gegenteil von dem, was da heute ablaufen wird. Staatskapelle. Welturaufführung einer Hymne. Grußbotschaften. Tenöre. Redebeiträge. Dominofall… Vor zwanzig Jahren wurden die Absperrungen, die unüberwindbar für die meisten Menschen waren, überschritten – und jetzt sind sie wieder aufgebaut – „beschützt“ von Ordnern in orangen Westen. Da kann Thomas Gottschalk in Ruhe moderieren. Denn das Ganze ist nur dies: eine gigantische Show. Nichts ist wirklich echt. Hoffentlich sind auch ein paar Menschen dort, die damals auf der Mauer standen!

Gedenkstelle für die Mauer-Toten

Gedenkstelle für die Mauer-Toten

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1 Response to Berlin hyperventiliert

  1. Avatar von Jeannine Jeannine sagt:

    ueber den mauerfall wurde hier auch in den worldnews ein bericht gezeigt, meine gastmutter war sehr interessiert

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