Leute gibts!

Jetzt muss ich doch noch mal auf den Papstbesuch im Eichsfeld zurückkommen. Und nein, niemand von uns ist auf einmal katholisch. Aber ein großes Ereignis war es trotzdem, und da war ich natürlich gerne dabei. Als einer von 6 Helfern an der Station 16, in Wingerode, am Pilgerweg kurz nach dem Bahnhof. (Eine von 40 Stationen und eine von insgesamt etwa 3000 Helfern) Und das Helferleben war wirklich aufregend!  Von den Tausenden, die bei uns vorbeikamen, waren genau 2 unfreundlich. Die anderen waren frohgemut, lustig, redselig, aufgeschlossen, voller Freude und guter Dinge. Wir natürlich auch. Und an so einem langen Tag kommt auch manch Seltsames vor. Innerliches Kopfschütteln meinerseits, geistiges Notieren folgender Begebenheiten:

  • Ganz früh am Morgen kommt ein älterer Herr und schiebt sein Fahrrad. Hintendrau Pilgerkram.Wir fühlten uns anfangs noch verantwortlich und wiesen ihn darauf hin, dass er sein Fahrrad stehen lassen müsse. Er schiebt weiter. „Ich will mir nur mal das Dorf ansehen!“ (Das war der einzige Pilger, der tatsächlich mit dem Rad bis hoch aufs Feld gekommen ist. Wir stellten uns vor, wie er sich weiter ausredete: Ich will nur nach meinen Hühnern sehen. Ich will nur mal schnell zu Heinz, der wartet. Ich will nur mal schnell nach meinem Mais sehen. ..)
  • Zwei Frauen zu uns: „Wo ist denn unsere Tochter?“ – ??? – „Na, die wollte uns doch vom Bahnhof abholen!“  – Mit dem Auto?  –  „Ja, ja. Wo ist sie denn?“ (Niemand konnte mit dem Auto fahren, jedenfalls bei uns nicht. Die Parkplätze waren kilometerweit entfernt. Und die Tochter haben wir bei den Pilgern pro Zug im Viertelsundentakt leider auch nicht bemerkt.)
  • Zwei junge Frauen kommen mit ihrer Mutter. Sie tragen Stühle, Rucksäcke, Jacken, Decken und diverse Utensilien. Die Mutter schreitet voran, allerdings geht ihr immer nach 5 Schritten die Puste aus, sie hat es schwer. Sehr schwer. Und herzkrank auch noch, erzählen die Töchter, als sie sich bei uns ausruhen. Wir telefonieren und bestellen einen Shuttle. Der fährt uns eigentlich nicht an, will aber doch kommen. Sobald es geht. Inzwischen ist Mutti wieder fit, lässt sich von unserer Prognose, 8 Kilometer bergauf seien zuviel für sie nicht abhalten und schreitet weiter. Gepäcktöchter hinterher. Shuttle wieder absagen.
  • Das Begleitheft zum Papstbesuch mit dem Programm ist verteilt, wir haben keine Exemplare mehr und verteilen den allgemeinen Flyer mit dem Hinweis, darin stehe das Eichsfeldlied und als Pilger könne man das doch mitsingen. Ein Mann sagt, dass das doch alle können. Wir zweifeln. Da stellen sich vor uns etwa 20 Leute auf und singen uns das Eichsfeldlied vor, alle Strophen natürlich. Wir alssen sie daraufhin weitergehen.
  • Eine Frau kommt im Rollstuhl, die ganze Familie im Schlepptau. Der Sohn wird ungehalten, als wir sagten, es kann eine Weile dauern, bis die Malteser kommen. Wir diskutieren und beschwichtigen.(Es gab auch für Rollstuhlfahrer einen extra Shuttle-Service, allerdings nicht von uns aus.)  Nach 15 Minuten kommt das Rollstuhl-Auto, dass wir extra angefordert haben, von ziemlich weit her. Die Frau rollt hin, steht auf, klappt ihren Rollstuhl zusammen und steigt ein. Minuten später finden wir unsere Sprache wieder. „Es wirkt.“ „Das Wunder von Etzelsbach.“
  • Etwa eine Stunde vor der „Schließung“ des Pilgerfeldes, aus den Zügen kamen nur noch einzelne Pilger , schritt eine Dame an unseren Stand. „Gibt es einen Lageplan? Wo sind denn die besten Plätze?“ – „Was steht denn auf Ihrem Pilgerausweis?“ – „Den habe ich noch nicht.“  (Ab spätestens diesem Moment wurde unser Wunsch, auch aufs Pilgerfeld zu können, unbändig. So überredeten wir den Verantwortlichen für die Pilgerwege, uns einen Shuttle zu besorgen. Und das hat auch geklappt.)

 

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