Freitagabend, Greifswald, Hunger – auf der Suche nach Nahrung sprach uns eine Speysenkarte an (na , ja, sie sprach uns nicht wirklich an, sondern uns gefiel einfach, was zu lesen stand) und wir bekamen auch noch ein Plätzchen, obwohl wir nicht reservieret hatten. Eine Mayd wies uns ein, dass man hier mit den Fingern und dem Dolche esset und wir waren damit durchaus einverstanden. (Sicherheitshalber ging ich aber erst mal Händewaschen.) Wallensteyns Teller schmeckte köstlich, allerdings ist es nicht so einfach, Sauerkraut mit den Fingern zu essen. Erdäpfel und Fleisch hingegen kann man sehr gut mit dem Dolche spießen und passen auch sehr gut zum Gerstensaft.
Zwey Spylleut, wunderlich bewamst, unterhielten die Zecher mit Lauten, Schellen und gar lieblichem Gesang. Der Höhepunkt des Abends war jedoch die Handwaschung des ungläubigen Thomas. Die Mayd brachte eine irdene Schüssel mit warmer Lauge und hieß den Herren, seine Hände zu baden. Und dann solle er ihr doch seine Hände reichen. Hingebungsvoll trocknete sie erst die rechte, dann die linke Hand ab. Schade, dass ich seinen heruntergeklappten Kiefer und seine geschlossenen Augen (mit zitternden Augenlidern) nicht fotografiert habe. Der Knecht hatte leider Urlaub, und so sollte der Gatte seinem Weib die Hände trocknen. War auch gut. Werden wir die gegenseitige Waschung und Trocknung jetzt als nachspeisliches Ritual einführen? Wäre eine Überlegung wert!



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