Endlich wieder Licht – die Osternacht auf See

Ostersamstag war auf der Sofia Crewwechsel: Thomas hat die beiden Floriane mit dem Mietwagen zum Flughafen gefahren und Jens und Steffen mitgebracht. Bis dahin habe ich es kaum geschafft, klar Schiff zu machen, da unsere Vercharterer wirkliche Plaudertaschen sind und sich kleinere Reparaturen über Stunden zogen. Den Einkauf konnte ich erledigen, Ostereier färben geht auch an Bord hervorragend, aber Wasser und Diesel war unmöglich, in Volos zu bunkern, die Busfahrkarten nach Thessaloniki konnten wir allerdings schon kaufen. Sonnenschein, schöner Wind- also: Nichts wie weg hier! Wir segelten gegen drei  los mit dem Ziel Vassilios (28 sm).  Vor dem Ausgang des Golfes war der Wind alle und wir motorten. Nur kurz. Dann wollte der Motor nicht mehr. Kanister (20 l) aufgeschüttet, Versuch, irgendwas zu entlüften, telefonieren mit Herrn Stache, um zu hören, was wir dem Motor noch antun könnten – Ratlosigkeit. Die Artemis kam längsseits und wir schaukelten im Päckchen bei Flaute mitten auf dem Wasser in den Sonnenuntergang.

Motor besprechen

Motor besprechen

Als kurze Ueit später wieder Wind aufkam, segelten wir weiter – was sollten wir auch sonst tun. Thomas suchte in der Karte nach alternativen Buchten und Molen – da der Wind allerdings inzwischen mit 4-5 aus Süd blies mussten wir weiter bis Oreoi, dort war der nächste sichere Hafen. Mit Tankstelle. Es war jetzt schon stockfinster, bei unserer Sofia ging das Hecklicht nicht, bei der Artemis ging gar kein Licht. Um uns gegenseitig nicht aus den Augen zu verlieren segelten wir beide mit Ankerlicht. Wir mussten um einige (natürlich völlig lichtlose)  Fels-Landzungen herum, die Artemis mit untauglichen Seekarten, wir wenigstens mit dem Computer, aber ohne Sicht. Ach ja, wir refften, um die Artemis nicht zu verlieren, die war langsamer, weil kleiner. Plötzlich wurden wir durch riesige Scheinwerfer beleuchtet, wie aus dem Nichts tauchte die Küstenwache neben uns auf und bellte uns  über Lautsprecher an, wer wir seien, woher wir kämen und wohin wir wollten. Sie konnten zwar auf Englisch fragen, aber mit unseren englischen Antworten nichts anfangen. Nach ein paar Minuten drehten sie ab und fuhren zur Artemis, das gleiche Spiel. Kaum war die Küstenwache verschwunden und unser Adrenalinspiegel nur noch leicht erhört, legte sich der Wind von einer Minute auf die andere schlafen. Nächste Aktion: Artemis schleppt Sofia. Wir waren ja genug Leute, um das zu bewerkstelligen, die Dunkelheit erschwerte es allerdings etwas. Mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen sieht man nicht wirklich viel. Kurz vor dem Hafen wurde aus dem Schleppen ein Schieben, was nicht wirklich gut ging, aber zum Glück war im Hafen viel Platz. Wie durch ein Wunder sprang auf den letzten zehn Metern der Motor doch wieder an und wir konnten uns lösen und aus eigener Kraft längsseits an der Mole anlegen. Die Artemis rettete solange unseren über Bord gegangenen Fender aus der Hafeneinfahrt. So gut wie dieses Anlegebier hat noch nie eins geschmeckt! Inzwischen war es fast Mitternacht und an der gesamten Küste bimmelten die Glocken, die Popen beteten über Lautsprecher, um sie zu übertönen, und überall gab es Feuerwerk. Als wir unsere Würstchen gegessen hatten (die erste Mahlzeit des Tages!) kamen die Einheimischen alle mit brennenden Kerzen aus der Kirche – eine Lichterprozession durch den ganzen Ort.

Osternachtanlegerimbiss

Osternachtanlegerimbiss

Nach 4 Stunden Segeln und Abgeschlepptwerden in völliger Dunkelheit waren das Feuerwerk und die Lichterprozession sehr beeindruckend. Nicht zu vergessen die Erleichterung, es geschafft zu haben und sicher im Hafen zu liegen.

Resümee: ein aufregender, sehr langer Tag, wunderschöner Sonnenuntergang, ein herrlicher Sternenhimmel, kein Diesel mehr, kein Wasser im Tank (gut, duschen wir eben nicht), Energie alle (Batterien  konnten sich ja nicht wieder aufladen), Bier fast alle, endlich satt, Stimmung hervorragend, keiner hat die Nerven verloren, die ganze restliche Nacht sehr laute griechische Hottentottenmusik und Feiergeräusche. Wir haben alle sehr gut geschlafen. Frohe Ostern!

P.S. Es stellte sich durch Rechnen heraus, dass der versprochen volle 160L-Tank („Damit könnt ihr zwei Wochen den ganzen Tag motoren!“ ein höchtens 100 L Tank war.

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